Verkündet am:
30. November 2004
Groß
Justizangestellte
als Urkundsbeamtin
der Geschäftsstelle
Nachschlagewerk: ja
BGHZ: nein
BGHR: ja
AGBG § 9 Abs. 1 Bg, Cf
BGH, Urt. v. 30. November 2004 - X ZR 133/03 - LG Wuppertal
AG Wuppertal
Der X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 30. November 2004 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Melullis,
die Richter Scharen, Keukenschrijver, die Richterin Ambrosius und den Richter
Dr. Kirchhoff
für Recht erkannt:
Auf die Revision des Klägers wird das Urteil der 9. Zivilkammer des Landgerichts Wuppertal vom 21. August 2003 aufgehoben.
Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Der Kläger nimmt die beklagte Gesellschaft, die eine Autowaschanlage
betreibt, auf Schadensersatz wegen behaupteter Beschädigung seines Kraftfahrzeugs
durch zwei Waschvorgänge in Anspruch.
Der Kläger war seit Jahren Kunde der Beklagten. Am 13.
Oktober 2000 benutzte er deren Waschanlage mit seinem Mercedes Benz S 500 L.
Dieses
Modell hat zwei seitliche Außenspiegel, die elektrisch nach hinten, das
heißt in
Richtung des Fahrzeugshecks, angeklappt und wieder nach vorn aufgeklappt
werden können. Beim Einfahren in die Waschstraße waren die Spiegel
unstreitig äußerlich unbeschädigt. Nach Beendigung des Waschvorgangs
zeigte der
Kläger der Beklagten an, daß der rechte Seitenspiegel im Gelenk
beschädigt
war und daß die Fensterscheibe und die Zierleiste der Beifahrertür
im Drehradius
des angeklappten Spiegels gelegene Kratzer aufwiesen. Die Beklagte
nahm diese Schäden auf und meldete sie ihrer Betriebshaftpflichtversicherung.
Der Kläger ließ die beschädigten Fahrzeugteile erneuern. Nach
der Reparatur,
am 23. Oktober 2000, benutzte er die Waschanlage der Beklagten erneut. Anschließend
meldete er ein gleichartiges Schadensbild wie beim ersten Mal. Er
ließ den Schaden wiederum reparieren.
Der Kläger behauptet, sein Fahrzeug sei vor den beiden Reinigungsvorgängen gänzlich unbeschädigt gewesen. Er sei mit angeklappten Spiegeln in die Waschstraße eingefahren. Die Beschädigungen seien durch den Waschvorgang verursacht worden. Der Spiegel sei beide Male von der Karosserie abgerissen und nur noch durch die Kabel gehalten worden; er sei nicht, wie die Beklagte behaupte, nach dem Waschvorgang abgeklappt und lediglich nicht mehr aufklappbar gewesen.
Der Kläger verlangt die Reparaturkosten von zweimal 1.928,44 DM, den Nutzungsausfall für die Reparaturdauer von jeweils zwei Tagen in Höhe von 195,-- DM pro Tag und eine allgemeine Unkostenpauschale von 40,-- DM ersetzt, insgesamt also 4.676,88 DM. Die Beklagte, deren Haftpflichtversicherung die Deckung ablehnt, hat die Zahlung mit der Begründung verweigert, es sei unmöglich, daß der Schaden durch einen Fehler der Waschanlage verursacht worden sei.
Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen, weil nicht ausgeschlossen werden könne, daß der Außenspiegel beide Male schon vor dem Waschvorgang äußerlich nicht erkennbar im Gelenk beschädigt gewesen sei. Das Landgericht hat die Berufung des Klägers wegen der in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten enthaltenen Haftungsbeschränkung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit zurückgewiesen, hat aber im Hinblick darauf, daß die Wirksamkeit einer derartigen AGB-Klausel umstritten sei, die Revision zugelassen. Mit dieser verfolgt der Kläger seinen Klageantrag weiter.
Entscheidungsgründe:
Die Revision hat Erfolg. Sie führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht.
I. Das Berufungsgericht hat ausgeführt:
Der Berufung sei zwar möglicherweise insoweit zu folgen,
als die Zweifel des Amtsgerichts daran, ob die Spiegel erst während des Waschvorgangs
beschädigt
worden seien, einen gewissen Spekulationscharakter hätten. Aber
auch wenn man von einer Beschädigung durch den Waschvorgang ausgehe,
müsse der Klage der Erfolg versagt bleiben, weil die Beklagte ihre Haftung
für
derartige Schäden in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf Vorsatz
und grobe Fahrlässigkeit beschränkt habe. Anhaltspunkte dafür,
daß die Beklagte
oder einer ihrer Bediensteten vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt
hätten, seien nicht gegeben. Insbesondere spreche kein Anschein dafür,
daß die Waschanlage einen Defekt aufgewiesen habe, dessen unterlassene
Beseitigung als grob fahrlässig eingestuft werden müßte. Denn
es sei nicht ersichtlich,
daß auch bei anderen Fahrzeugen Schäden ähnlicher Art aufgetreten
seien.
Die Haftungsbeschränkung sei nicht nach § 9 Abs. 2 Nr. 2 AGBG unwirksam.
Es würden nicht wesentliche Pflichten des Betreibers einer Waschanlage
so eingeschränkt, daß die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet
wäre. Der
Kunde, der eine vollautomatische Waschanlage aufsuche, könne unschwer
erkennen, daß Schäden durch die rotierenden Bürsten an den
von der Karosserie
abstehenden Teilen nicht immer ganz auszuschließen seien. Dieses Risiko
gehe der normale Kunde ein. Er könne hiergegen durch eine Vollkaskoversicherung
Vorsorge treffen.
II. Diese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.
1. Nicht begründet ist allerdings die Verfahrensrüge der Revision, daß das Berufungsurteil die Berufungsanträge nicht wiedergebe.
Die die Abfassung von Berufungsurteilen erleichternde Vorschrift
des §
540 Abs. 1 ZPO, wonach das Urteil anstelle von Tatbestand und Entscheidungsgründen
nur die Bezugnahme auf die tatsächlichen Feststellungen im
angefochtenen Urteil mit einer Darstellung etwaiger Änderungen und Ergänzungen
und eine kurze Begründung für die Abänderung, Aufhebung oder
Bestätigung der angefochtenen Entscheidung zu enthalten braucht, bezieht
sich
nicht auf die Berufungsanträge. Diese muß das Berufungsgericht in
sein Urteil
aufnehmen. Sie brauchen allerdings nicht wörtlich wiedergegeben zu werden,
sondern es kann genügen, daß aus den Ausführungen des Berufungsgerichts
sinngemäß deutlich wird, was der Berufungskläger mit seinem
Rechtsmittel und
was der Berufungsbeklagte im Berufungsverfahren erstrebt hat (BGH, Urt. v.
10.02.2004 - VI ZR 94/03, NJW 2004, 1389 unter II 2; Urt. v. 03.03.2004
- VIII ZR 153/03, NZM 2004, 379).
Hier läßt das Berufungsurteil den Inhalt der Berufungsanträge
- noch -
erkennen. Es heißt darin, daß die Berufung sich gegen das klageabweisende
Urteil des Amtsgerichts wende. Diese knappe Formulierung ist mit Rücksicht
auf die Tatsache, daß, wenn der Kläger Berufung einlegt, dieser
zumeist seinen
vom erstinstanzlichen Richter abgewiesenen Klageantrag in vollem Umfang
weiterverfolgt, dahin zu verstehen, daß der Kläger seine Berufung
nicht beschränkt
hat. Der Ansicht der Revision, daß sich aus den Gründen des Berufungsurteils
der Umfang der Anfechtung des erstinstanzlichen Urteils nicht ergebe,
kann daher nicht gefolgt werden. Auch der Inhalt des Berufungsantrags
der Beklagten kann aus dem Berufungsurteil erschlossen werden. Aus dem
Umstand, daß das Berufungsgericht ein streitiges Urteil, also kein Anerkenntnis-
oder Versäumnisurteil erlassen hat, geht hervor, daß die Beklagte
die Zurückweisung
der klägerischen Berufung beantragt hat.
2. Mit Erfolg wendet sich die Revision gegen die Ansicht des
Berufungsgerichts,
daß dem Kläger wegen der in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen
der Beklagten enthaltenen Haftungsbeschränkungsklauseln kein Schadensersatzanspruch
zusteht. Die Klauseln sind unwirksam.
a) Das Berufungsgericht hätte einen Schadensersatzanspruch
allerdings im Ergebnis gleichwohl zu Recht verneint (§ 561 ZPO), wenn es an die Beweiswürdigung
des Erstrichters, daß eine Beschädigung der Spiegel durch den
Waschvorgang nicht erwiesen sei, gebunden wäre. Davon kann im Revisionsverfahren
jedoch nicht ausgegangen werden.
(1) Der Anspruch des Klägers setzt voraus, daß die
Spiegel erst durch
den Waschvorgang beschädigt wurden. Nach dem auf das vorliegende Vertragsverhältnis
anzuwendenden Schuldrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs in
der bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Fassung (a.F.) kommt als vertraglicher
Schadensersatzanspruch ein Anspruch aus positiver Vertragsverletzung in
Betracht, der einen schuldhaften Verstoß gegen Vertragspflichten voraussetzt.
Eine weitere, konkurrierende Anspruchsgrundlage würde sich aus unerlaubter
Handlung ergeben, falls ein Verrichtungsgehilfe der Beklagten das im Eigentum
des Klägers stehende Fahrzeug schuldhaft beschädigt hätte (§§ 823,
831
BGB). Als objektive Pflichtverletzung kommt nur ein Verstoß gegen die
sich aus
dem Werkvertrag über die Reinigung des Fahrzeugs ergebende Nebenpflicht
(Schutzpflicht) des Waschanlagenbetreibers in Frage, das Fahrzeug vor Beschädigungen
beim Waschvorgang zu bewahren. Diese Pflicht hätte die Beklagte
objektiv verletzt - wie sie auch das Eigentum des Klägers an den Spiegeln
verletzt hätte -, wenn die Beschädigung des Seitenspiegels, die ihrerseits
zu den weiteren Schäden an Fensterscheibe und Zierleiste führte,
jeweils infolge
eines von ihr zu verantwortenden Umstands durch den Waschvorgang verursacht
worden wäre (OLG Hamburg DAR 1984, 260; Löwe/Graf v. Westphalen/Trinkner,
AGBG, 2. Aufl., Bd. 3 S. 32.3-22 ff. Rdn. 7; Padeck, VersR
1989, 541, 556). Falls dies hingegen nicht der Fall war, sondern die Spiegel
etwa einen äußerlich nicht erkennbaren Vorschaden hatten, scheiden
ein vertraglicher
Schadensersatzanspruch insgesamt und ein deliktischer Schadensersatzanspruch
hinsichtlich der Spiegel aus. Ein deliktischer Ersatzanspruch
wegen der Kratzer an Fenster und Zierleiste würde mangels eines Verschuldens
der Beklagten ebenfalls entfallen.
(2) Die Frage, ob das Berufungsgericht an die Beweiswürdigung
des Erstrichters gebunden ist, daß eine Beschädigung der Spiegel
durch den
Waschvorgang nicht bewiesen sei, muß im Revisionsverfahren offenbleiben.§
529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO in der seit 1. Januar 2002 geltenden und auf den vorliegenden
Fall anzuwendenden Fassung besagt, daß das Berufungsgericht
seiner Verhandlung und Entscheidung die vom Gericht des ersten Rechtszugs
festgestellten Tatsachen zugrunde zu legen hat, soweit nicht konkrete Anhaltspunkte
Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der entscheidungserheblichen
Tatsachen begründen und deshalb eine erneute Feststellung gebieten.
Auch die Feststellung des Erstgerichts, eine bestimmte Tatsachenbehauptung
treffe nicht zu, stellt eine festgestellte Tatsache im Sinne des § 529
Abs. 1 Nr. 1
ZPO dar, und zwar auch dann, wenn sich der Erstrichter durch die Beweisaufnahme
von der Richtigkeit der Behauptung nicht überzeugen konnte und deshalb
eine Beweislastentscheidung getroffen hat (Hannich/Meyer-Seitz [Hrsg.],
ZPO-Reform 2002, § 529 Rdn. 22; MünchKomm./Rimmelspacher, ZPO,
2. Aufl., § 529 Rdn. 5). Hier hat das Berufungsgericht seine Bindung dahingestellt
sein lassen. In einer solchen Situation muß das Revisionsgericht, so
es für
die Entscheidung auf die betreffende Feststellung ankommt, die Sache in der
Regel an das Berufungsgericht zurückverweisen (vgl. Sen.Urt. v. 19.10.2004
- X ZR 142/03 unter II 3, zur Veröffentlichung vorgesehen). Denn die Prüfung,
ob Zweifel an der Richtigkeit und Vollständigkeit der erstrichterlichen
Feststellungen bestehen und ob sie durch konkrete Anhaltspunkte begründet
sind, obliegt
grundsätzlich dem Berufungsgericht, weil es dabei nicht nur um Rechtsfragen,
sondern auch um Tatsachenfragen geht. Solange das Berufungsgerichtü
ber seine Bindung noch nicht entschieden hat, ist daher im Revisionsverfahren,
auch wenn der Erstrichter eine gegenteilige Feststellung getroffen hat, von
dem Sachverhalt auszugehen, den der Revisionsführer behauptet. Das ist
hier die Beschädigung der Spiegel durch den Waschvorgang.
b) Dann aber sind die gesetzlichen Voraussetzungen eines Schadensersatzanspruchs des Klägers wegen positiver Vertragsverletzung erfüllt. Denn das neben der objektiven Pflichtverletzung erforderliche Verschulden der Beklagten wird nach § 282 BGB a.F. vermutet, wonach dem Schuldner der Entlastungsbeweis obliegt, daß er die Vertragsverletzung nicht zu vertreten hat. Das Berufungsgericht hat keine Feststellungen dazu getroffen, ob die Beklagte diesen Entlastungsbeweis erbracht hat. Der Schuldner hat Vorsatz und Fahrlässigkeit zu vertreten (§ 276 BGB), wobei von Gesetzes wegen einfache (leichte) Fahrlässigkeit genügt. Das Berufungsgericht hat lediglich grobe Fahrlässigkeit der Beklagten verneint. Es kann dahingestellt bleiben, ob diese Ansicht, gegen die insbesondere hinsichtlich der Beweislast, die das Berufungsgericht ersichtlich entgegen § 282 BGB dem Kläger aufgebürdet hat, Bedenken bestehen (§ 559 Abs. 2 ZPO), der rechtlichen Überprüfung standhält. Denn das Berufungsgericht hat jedenfalls offengelassen, ob die Beklagte leicht fahrlässig gehandelt hat. Einfache Fahrlässigkeit ist daher im Revisionsverfahren zugunsten des Klägers zu unterstellen.
c) Der Schadensersatzanspruch des Klägers scheitert nicht daran, daß die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten eine Freizeichnung von der Haftung für einfache Fahrlässigkeit enthalten. Denn entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts halten die Freizeichnungsklauseln der Inhaltskontrolle nach § 9 Abs. 1 AGBG (jetzt: § 307 Abs. 1 BGB) nicht stand. Sie sind daher unwirksam.
(1) Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten,
die unstreitig durch deutlichen Aushang Vertragsbestandteil geworden sind (§ 2
Abs. 1 Nr. 1
AGBG; jetzt: § 305 Abs. 2 Nr. 1 BGB), enthalten u.a. folgende Klauseln:"
3.
Der Waschanlagenunternehmer haftet dem Benutzer auf Ersatz etwaiger Schäden,
soweit diese auf Umständen beruhen, die er
durch Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte abwenden
können
4. Bei Eintritt eines Schadens durch den Waschvorgang in der
Waschanlage haftet der Waschanlagenunternehmer für den unmittelbaren
Schaden.
Folgeschäden werden nicht ersetzt, es sei denn, daß den
Waschanlagenunternehmer eine Haftung aus grobem Verschulden
trifft.
5. Eine Haftung für die Beschädigung der außen an der Karosserie
angebrachten Teile, wie z.B. Zierleisten, Spiegel, Antennen,
sowie dadurch verursachte Lack- und Schrammschäden, bleibt
ausgeschlossen, es sei denn, daß den Waschanlagenunternehmer
eine Haftung aus grobem Verschulden trifft."
Die Klausel Nr. 5 enthält eine Haftungsbeschränkung auf Vorsatz und
grobes Verschulden, die gegenständlich auf unmittelbare Schäden an
außen an
der Karosserie angebrachten Teilen sowie dadurch verursachte Lack- und
Schrammschäden begrenzt ist. Daneben hat sich die Beklagte mit der Klausel
Nr. 4 Abs. 2 für sämtliche Folgeschäden, unabhängig von
der Art des unmittelbaren
Schadens, ebenfalls von einfacher Fahrlässigkeit freigezeichnet.
(2) Die
Wirksamkeit von Freizeichnungsklauseln dieses Inhalts für den
Betrieb von Autowaschanlagen ist in Literatur und Rechtsprechung umstritten.
Die überwiegende Meinung hält sie für unwirksam (aus der Rspr.
vgl. nur KG
NJW-RR 1991, 698; OLG Hamburg DAR 1984, 260; aus der Lit. Erman/Roloff,
BGB, 11. Aufl., § 307 Rdn. 62; v. Hoyningen-Huene, Die Inhaltskontrolle
nach§
9 AGBG, Rdn. 193, 219; Löwe/Graf v. Westphalen/Trinkner, aaO Rdn. 4, 6;
MünchKomm./Basedow,
BGB, 4. Aufl., § 307 Rdn. 109; Padeck, aaO, S.
552 f.;
Palandt/Heinrichs, BGB, 63. Aufl., § 307 Rdn. 76; Staudinger/Coester,
BGB
(1998), § 9 AGBG Rdn. 319 ff.; Ulmer/Brandner/Hensen/H. Schmidt, AGBG,
9. Aufl., Anh. § 9-11 Rdn. 149 f.). Nach anderer Ansicht sind derartige
Klauseln
wirksam (OLG Karlsruhe NJW-RR 1986, 153; OLG Bamberg NJW 1984, 929;
OLG Düsseldorf WM 1980, 1128). Der Bundesgerichtshof hat sich zu dieser
Frage noch nicht geäußert.
(3) Der erkennende Senat tritt der überwiegenden Meinung
in der Literatur bei. Wenn der Betreiber einer Autowaschanlage seine Haftung
für durch
leichte Fahrlässigkeit herbeigeführte Beschädigungen des Fahrzeugs
ausschließt,
so liegt darin, auch wenn die Freizeichnung gegenständlich auf die
besonders gefährdeten, außen an der Karosserie angebrachten Zubehörteile
wie Scheibenwischer, Spiegel und Antennen beschränkt ist, eine unangemessene
Benachteiligung der Kunden entgegen den Geboten von Treu und Glauben
(§ 309 Abs. 1 BGB).
Eine formularmäßige Vertragsbestimmung ist unangemessen in diesem
Sinne, wenn der Verwender durch einseitige Vertragsgestaltung mißbräuchlich
eigene Interessen auf Kosten seines Vertragspartners durchzusetzen versucht,
ohne von vornherein auch dessen Belange hinreichend zu berücksichtigen
und
ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (BGHZ 143, 104, 113 und
ständig). Sinn und Zweck der Inhaltskontrolle Allgemeiner Geschäftsbedingungen
bestehen in der Korrektur eines Zustands, der dadurch entstanden ist, daß der
Kunde mit dem Verwender keine Vertragsverhandlungen mit dem Ziel der Abänderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen geführt
hat. Eine Klausel in
Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist deshalb dann als unangemessen zu
bewerten, wenn sie von derjenigen Vertragsvereinbarung abweicht, zu der die
Parteien gelangt wären, wenn sie über den streitigen Punkt verhandelt
hätten
(MünchKomm./Basedow, aaO Rdn. 37).
Bei Anlegung dieses Maßstabs erscheint ein vom Betreiber einer Autowaschanlage
vorgenommener allgemeiner Haftungsausschluß für durch einfache
Fahrlässigkeit herbeigeführte Beschädigungen des Fahrzeugs unangemessen,
auch wenn er gegenständlich auf Außenteile beschränkt ist.
Denn ein solcher
Haftungsausschluß widerspricht dem berechtigten Vertrauen des Kunden
darauf, daß sein Fahrzeug so, wie es ist, also mitsamt den außen
angebrachten
Teilen, unbeschädigt aus dem Waschvorgang hervorgehen wird, und seiner
korrespondierenden Erwartung, daß er Schadensersatz erhalten wird, sollte
doch einmal ein Schaden auftreten und dieser vom Waschanlagenbetreiber verschuldet
sein. Dabei erwartet der Kunde Schadensersatz immer dann, wenn der
Betreiber die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat,
also
auch bei einfacher Fahrlässigkeit. Diese Erwartung ist insbesondere unter
dem
Gesichtspunkt der Risikobeherrschung gerechtfertigt, der für die Beurteilung
der
Angemessenheit einer Haftungsbeschränkung wichtig ist. Die Frage, ob und
in
welchem Maße die Verwirklichung des Risikos besser durch den Kunden oder
besser durch den Verwender durch zumutbares eigenes Handeln verhindert
werden kann, ist im vorliegenden Fall zu Lasten des Anlagenbetreibers zu
beantworten,
da nur er Schadensprävention betreiben kann, z.B. durch ständige
Wartung, Kontrolle und Überwachung der Anlage und durch sorgfältige
Auswahl
des Bedienungspersonals, während der Kunde sein Fahrzeug der Obhut des
Betreibers überantwortet, ohne die weiteren Vorgänge selbst beeinflussen
zu
können (KG und OLG Hamburg aaO; Padeck, aaO, S. 547, 552). Der Betreiber
hat es auch in der Hand, bestimmte Fahrzeugmodelle, die er für schadensanfällig
hält, von der Benutzung seiner Anlage auszuschließen und dadurch
sein Risiko
zu verringern.
(4) Die Bewertung des Haftungsausschlusses für einfache Fahrlässigkeit als unangemessene Benachteiligung umfaßt auch jedenfalls solche Folgeschäden, die, wie der hier geltend gemachte durch die Reparatur entstandene Nutzungsausfall und die Unkostenpauschale, vorhersehbar und typisch sind. Insoweit ist ein Grund für die unterschiedliche Behandlung von unmittelbaren und Folgeschäden nicht ersichtlich (OLG Hamburg aaO; Löwe/Graf v. Westphalen/ Trinkner, aaO Rdn. 6; Staudinger/Coester, aaO Rdn. 321; Padeck, aaO, S. 553; weitergehend - ohne Beschränkung auf typische Folgeschäden - KG aaO; Erman/ Roloff, aaO; Ulmer/Brandner/Hensen/H. Schmidt, aaO Rdn. 150). (5) Da nach alledem ein Schadensersatzanspruch des Klägers nicht auszuschließen ist, kann das angefochtene Urteil keinen Bestand haben.
Es ist aufzuheben.
III. Die Sache ist an das Berufungsgericht zurückzuverweisen,
weil weitere tatrichterliche Feststellungen erforderlich sind. Das Berufungsgericht
wird
ber seine Bindung an die vom Erstrichter festgestellte Tatsache, daß die
Ursächlichkeit
des Waschvorgangs für die Beschädigung der Spiegel nicht erwiesen
sei, und/oder über die Frage zu entscheiden haben, ob im Falle der Beschädigung
durch den Waschvorgang der Beklagten ein Verschulden zur Last
fällt.
Melullis
Scharen
Keukenschrijver
Ambrosius
Kirchhoff